Stadtkirche St. Georg, Lünen
Mit Farben erzählen.
Der Maler KW Stegers erzählt nicht mit Worten. Sein Bild besteht nur aus Quadraten, Mal mehr Grün, mal weniger, mal heller, mal dunkler. Mehr malt er nicht. Kein Baum, kein Strauch, Und doch ist alles da. Helles Blattgrün, Stegers zeigt uns seinen Park. Mit welchen Farben würden wir |
Vortrag von Dieter Gewitzsch, 12.10.2025
Heute bietet sich Ihnen wieder die Gelegenheit, sich auf ein Bild einzulassen.
„Wie ist es?“ - Gefällt Ihnen was Sie sehen? - Ist es schön, dass das Bild hier hängt? Hätten Sie in Ihrem Lebensraum Platz für dieses oder ein ähnliches Bild?
Den Künstler freut, hier und jetzt zeigen zu können, was er in vielen Stunden geschaffen hat. - Nehmen Sie sich bitte Zeit und merken Sie sich Ihren ersten ganz persönlichen Eindruck.
Ihre Kirche ist – wie so oft – ein Ort der Begegnung, den ich mit einem Spielfeld vergleichen möchte.
Ich stehe an der Seitenlinie, soll etwas sagen und darf das, weil ich die anbietende Seite, den Künstler KW Stegers, schon länger gut kenne. Ich bin kein Kunsthistoriker und möchte nicht zwischen Sie und das Werk drängen.
Wie kommt Stegers dazu, ein solches Bild zu malen?
KW Stegers sammelt als Fotograf visuelle Eindrücke von unterschiedlichsten Orten, in diesem Fall z.B. sind es real existierende „Parklandschaften“ wie „Planten un Blomen“ in Hamburg oder der „Rombergpark“ in Dortmund. Oder es sind „Parklandschaften“, die ihn in der Gestalt einer künstlerischen Bearbeitung beeindruckten, z.B die Gemälde von August Macke: „Frauen im Park (mit weißem Schirm)“ und „Mutter und Kind im Park“.
In beiden Parkanlagen und in den Gemälden faszinierten ihn die vielfältigen und großflächig anzutreffenden Grüntöne und im Gegensatz dazu die wenigen nicht grünen Farben.
Stegers gab seinem 2024 gemalten Bild den Titel „Parklandschaft“, was aber nicht heißen soll: Ich habe hier einen Park gemalt. Er erklärt da so:
„Ich will kein Abbild oder eine Abstraktion der Parkanlagen schaffen. Es geht mir vielmehr darum, den nachwirkenden Eindruck und die Erinnerung an die Farben und deren Konstellationen festzuhalten.“
Bei Stegers sind es die Farben. Wo andere Worte oder Töne nutzen, um ihre Empfindungen auszudrücken, mischt er – wie er sagt – „aus der Erinnerung“ Farben an. Der Künstler ringt um jeden Farbton, wie andere um geeignete Worte.
Für das vorliegende Gemälde verwendete Stegers sechzehn Farben, acht Grüntöne und acht andere aus dem Spektrum Gelb, Rot und Blau.
Wir kennen Grün als Mischung von Gelb und Blau und wissen, dass wir je nach Mischungsverhältnis verschiedene Grüntöne erzielen. Ein Gelbgrün ist als Farbe leicht von einem Blaugrün zu unterscheiden. Außerdem erscheinen die Grüntöne unterschiedlich hell. Bei den Grüntönen unterscheidet er acht Helligkeitsstufen.
Gleiches weisen Stegers’ Mischungen im Spektrum der Farben Gelb, Rot und Blau auf: Acht Helligkeitsstufen von einem hellen Blau bis zu dunklem Rot.
Damit ist der Zeichenvorrat bereitgestellt, aber noch kein Bild gemalt.
Mit der Definition einer Tonleiter hat man auch noch keine Melodie und ein wohlgeordnetes Alphabet ist noch weit von einem sinnvollen Wort entfernt.
Will der Künstler mit Farben für sich festhalten oder gar anderen mitteilen, welchen farblichen Eindruck ein Ort hinterlässt (zumindest bei ihm hinterlassen hat), dann braucht es ein Regelwerk: eine Syntax für die Malerei.
Es geht darum, die bewusst bestimmten Farben in einer Komposition zusammenzuführen, die die Aussage des Künstlers, „Nein, das ist keine Parklandschaft, das ist allein mein Eindruck von der Farbigkeit einer Parklandschaft“ nachvollziehbar macht.
Farben haben messbare Wirkungen, aber auch überlieferte Zuschreibungen, die uns geläufig sind: Grün beruhigt – Rot regt auf. Das bringt die Farbe ein, weil sie Farbe ist, das muss akzeptiert werden.
Wenn KW Stegers von seinem „Park“ erzählt, gibt es für Ihn nur Farben.
Er verzichtet auf alle naheliegende Formen: – kein Baum, kein Blatt – keine Wiese, kein Halm – keine Blume, kein Weg, kein Steg.
Er wählt 36 gleichgroße Quadrate als die denkbar neutralsten Orte für den Farbauftrag. Und jede der 36 Flächen soll nur dem Zweck dienen, eine Farbe zu zeigen. Und jede Farbe darf in einer Zeile oder Spalte nur einmal erscheinen. Verbindungen gleicher Quadrate zu erkennbaren Figuren werden vermieden: keine horizontalen oder vertikalen Verbindungen (Rechtecke), keine diagonale Reihungen (Treppen), die in Konkurrenz zum alleinstehenden Quadrat treten könnten. Die gleichen Regel gelten für das Platzieren der nicht grünen „bunten“ Balken.
Herr Stegers, warum ein solches Regelwerk ?
Antwort: Die Regeln wirken unterstützend bei der Anordnung und Zusammenstellung der Farbtöne. Ich erreiche eine ausgewogene Verteilung der Farbtöne und vermeide Verdichtungen sich nahestehender Farbklänge. Den Zufall schließe ich aber nicht aus. Ein gewisser Spielraum ist geblieben.
Stegers beruft sich auf Moholy-Nagy, (einem der prägenden Lehrer am Bauhaus) der überzeugt davon war, „dass mathematisch harmonische Formen, exakt ausgeführt, voll von emotionaler Qualität sind und dass sie ein perfektes Gleichgewicht zwischen Gefühl und Intellekt herstellen.“
Die hier vorgestellten Regeln betreffen nur den Künstler selbst, er hat sich ihnen freiwillig unterworfen, um seine Botschaft präzise an die Betrachter*innen zu bringen. Das optische Angebot liegt geordnet vor.
Lassen wir unserer Augenlust freien Lauf!
